Themen dieses Kurses

  • Allgemeines

    Geschichte des NLG

    Von der "Rectorschule" zum Niklas-Luhmann-Gymnasium

    Die Anfänge

    "Seit 1857 besteht in hiesigem Orte eine sogenannte Rectorschule (...)" Dieses Zitat aus einem Schreiben des Schulgründers, Pastor Wilhelm Weerth, an die damalige Schulaufsichtsbehörde in Detmold ist der älteste Hinweis auf das Gründungsdatum der ersten weiterführenden Schule in Oerlinghausen, in deren Tradition sich das Niklas-Luhmann-Gymnasium sieht. Ein Gymnasium konnte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Landgemeinde wie Oerlinghausen ebenso wenig leisten wie andere größere Städte des damaligen Fürstentums Lippe. Rectorschulen - also von "Bürgerinitiativen" gegründete und unterhaltene Privatschulen - gab es jedoch an mehreren Orten des damaligen Kleinstaats. Sie dienten zunächst als Vorbereitungsschulen für die beiden Gymnasien in Detmold und Lemgo, entwickelten jedoch später darüber hinausgehend einen durchaus eigenständigen Charakter und bereiteten ihre Schüler auf eine spätere handwerkliche, käufmännische oder landwirtschaftliche Tätigkeit vor.

    Nach der Schulgründung fanden die Schülerinnen und Schüler - auch Mädchen waren fast von Anfang an dabei - zunächst Aufnahme in der "Gertkammer" der Alexanderkirche. Dieser Raum erwies sich jedoch schnell als zu klein und zu unpraktisch. Deshalb wurde im Jahre 1878 am Kirchplatz ein eigenes Schulgebäude errichtet, das bis 1949 genutzt wurde.

    Das Konzept, die Schülerinnen und Schüler sowohl auf eine weiterführende Gymnasialausbildung vorzubereiten oder ihnen die Grundlagen der handwerklichen, kaufmännischen oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten zu vermitteln, erwies sich als erfolgreich. Zwischen 40 und 60 Schüler und Schülerinnen besuchten am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Schule.Das Fächerangebot orientierte sich durchaus an den Ansprüchen der Gymnasien, aber auch an denen der Oerlinghauser Kaufleute und Handwerker.

    Das Lehrerkollegium war in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg durchaus überschaubar: In der Regel unterrichten zwei Lehrer, die von dem Pfarrer und vom Küster unterstützt wurden. Kennzeichnend für die damalige Zeit war eine hohe Fluktuation des Personals. Die Privateinrichtung Rectorschule konnte mit ihren Einnahmen nicht gegen die besser dotierten staatlichen oder kirchlichen Stellen konkurrieren. Und dennoch: Für Schülerinnen und Schüler aus Oerlinghausen sowie den umliegenden Gemeinden war diese Schule attraktiv - allerdings nicht für alle: Als private Einrichtung wandte sie sich an die Ober- und Mittelschicht. Dies setzte sich auch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fort. Ein Schülerverzeichnis des Jahres 1925 weist aus, dass die große Mehrheit der Eltern Fabrikanten, Kaufleute, Handwerksmeister, Beamte und Landwirte waren. Nur knapp 10 Prozent der Schüler waren Arbeiterkinder.

    Die Rektorschule in städtischer Trägerschaft

    Im Zuge der Weltwirtschaftskrise geriet die Schule in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die sie an den Rand ihrer Existenz brachten. Das Interesse der Stadt Oerlinghausen an ihrem Erhalt führte dazu, sie nach langwierigen Verhandlungen 1936 in städtische Trägerschaft zu übernehmen. Ab 1939 erfuhr die Schule eine Aufwertung: Sie wurde in eine "Zubringeschule (Klasse 1 - 4)" umgewandelt. Dabei handelte es sich um die Vorform des späteren "Progymnasiums": eine Bildungseinrichtung gymnasialen Charakters und Anspruchs, die allerdings nach der 8. Klasse ("Untertertia") endete. Eine ruhige Entwicklung war ihr allerdings nicht vergönnt, denn der Zweite Weltkrieg forderte seinen Tribut - einerseits durch die Einberufung der männlichen Lehrkräfte zum Militärdienst, andererseits durch den überaus starken Zuzug von Schülern aus den "luftbedrohten" Großstädten in das vergleichsweise ruhige Oerlinghausen. Im März 1945 musste die Schule für mehr als ein halbes Jahr ganz geschlossen werden.

    "Oberschule" in Oerlinghausen

    Mit der Wiedereröffnung und durch die 1948 erfolgte Aufstockung der - seit 1947 so bezeichneten - "Oberschule" um die Klassen 9 und 10 stieg die Schülerzahl rapide an und führte zu eklatanten Raumproblemen. Die Stadt Oerlinghausen entschied sich zu Beginn des Jahres 1948 - in wirtschaftlich äußerst schwieriger Zeit - zu einem Anbau an die bestehende Volksschule, um diese Probleme zu lösen.

    Die Errichtung des Progymnasiums

    Eine Entspannung der Raumsituation trat nur kurzfristig ein, denn das seit 1950 "städtisch mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium für Jungen und Mädchen (Klasse VI-UII)" wuchs weiter: Bereits im ersten "Gymnasial-Schuljahr" wurden 250 Schülerinnen und Schüler von 12 Lehrkräften unterrichtet. Permanente Raumnot und Auslagerungen des Sport- und Kunstunterrichts in Gaststätten-Säle kennzeichneten die Situation bis zum Jahr 1958. Erst nach dem Umzug der Volksschule in die Weerthstraße stand dem Progymnasium das komplette Gebäude des heutigen Rathauses zur Verfügung.

    Das städtische Gymnasium als "Vollanstalt"

    Der Stadtrat beschloss 1963 den Ausbau der Schule zu einem vollständigen Gymnasium mit den Jahrgangsstufen 5 bis 13. Ab 1966 konnten Oerlinghauser Schüler ihr Abitur vor Ort ablegen. Damit begann eine kontinuierliche Steigerung der Schülerzahlen, die bis zum Jahr 1982/1983 anhielt. Mit 1346 Schülerinnen und Schülern war die Schule zeitweilig das größte Gymnasium in Lippe. Es stellte sich unausweichlich erneut die Raumfrage. Sie wurde nach langen Diskussionen mit dem Stadtratsbeschluss über den Bau eines neuen Schulgebäudes an der Ravensberger Straße gelöst. 1975 konnte der Unterricht am neuen Standort aufgenommen werden. Das rapide Wachstum der Schülerzahlen machte allerdings bereits wenige Jahre später einen Erweiterungsbau notwendig. Mit der Gründung neuer weiterführender Schulen in den Nachbargemeinden ging die Schülerzahl in der 80-er Jahren langsam zurück.

    Das letzte Vierteljahrhundert

    1982 feierte das Städtische Gymnasium mit einem großen Schulfest sein 125-jähriges Bestehen. Der allmähliche Rückgang der Schülerzahlen eröffnete der Schule neue Perspektiven: Ohne Raumnot und mit einer relativ zufriedenstellenden Lehrerausstattung konnten neue pädagogische Herausforderungen angegangen werden. Regelmäßige Projektwochen dienten der Vermittlung und Anwendung von Strategien eigenständigen Lernens. Seit 1989 gibt es die Projekte zur AIDS-Prävention, zur "Informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung" sowie das Kommunikationstraining. Besonderen Stellenwert besitzt das Projekt "Lions-Quest", das sich seit 1997 insbesondere an die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 wendet. Als eines der ersten Gymnasien in OWL bietet die Schule seit 1982 mit dem Betriebspraktikum einen ersten Einblick in die Arbeitswelt. Partnerschaften mit ausländischen Bildungseinrichtungen in Großbritannien, Frankreich und Polen sowie die regelmäßigen Berlin-Exkursionen im Fach Sozialwissenschaften komplettieren die Möglichkeiten eigenständiger Lernerfahrung. Die aus der Zusammenlegung von Schüler- und Lehrerbücherei 1989 entstandene Schulbibliothek war von Anfang an als Selbstlernzentrum konzipiert und ist ein weiteres Markenzeichen unserer Schule.

    Durch die im Jahre 2000 vollzogene Umbenennung in "Niklas-Luhmann-Gymnasium" erhielt die Schulgemeinde vielfältige Anregungen aus der Wissenschaft. Ab 1999 referierten Kollegen und Freunde des 1998 verstorbenen Soziologen in der Reihe "Sonntagsgespräche" über die Relevanz seiner Forschungen für das System Schule.

    Im Jahr 2007 feierte die Schule ihren 150. Geburtstag. Unter dem Motto "Schule mit Zukunft" arbeiteten 900 Schülerinnen und Schüler eine Woche lang an Projekten und stellten anschließend die Vielfalt des Lernens insbesondere auch im Hinblick auf die Anforderungen in der Zukunft vor. Und diese Anforderungen sind vielfältig: Zentralabitur, Schulzeitverkürzung, der Trend zur Ganztagsschule, selbständiges Lernen, Berufs- und Studienberatung, Kooeration von Schule und Wirtschaft - für all diese Projekte müssen wir angemessene Lösungen finden. Die im Schuljahr 2009/10 in Angriff genommenen Umbaumaßnahmen zur Errichtung einer Mensa, zur grundlegenden Sanierung der Aula sowie zum Ausbau der Schulbibliothek sind die weithin sichtbaren Zeichen dieses Prozesses. Die vielfältigen Veränderungen im Unterrichtsgeschehen und im Umgang von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern miteinander erscheinen im Vergleich dazu nicht so spektakulär - sie sind jedoch für eine "Schule mit Zukunft" unabdingbar.

    Diesem Motto fühlt sich die Schule weiterhin verpflichtet. Daran arbeiten wir.

     

    R. Behring

    Rektorschule Die alte Rektorschule

    Gymnasium_alt

    Das alte Städtische Gymnasium

    Luftaufnahme_NLG

    Luftaufnahme des Niklas-Luhmann-Gymnasium