Skip Niklas Luhmann

Niklas Luhmann

Niklas Luhmann
Skip NLG-Menü

NLG-Menü

Topic outline

 

Niklas Luhmann

Niklas Luhmann: * 08.12.1927 in Lüneburg , + 06.11.1998 in Oerlinghausen. Nicht jedes Einstein-Gymansium erklärt an der Schule Interessierten die wissenschaftliche Bedeutung des Namensgebers der Schule, selten liefert es Begründungen für die Namenswahl. Gehört der Namensgeber zur Zeitgeschichte, werden tiefgehende Erklärungen erwartet. Die Tatsache, dass Niklas Luhmann in Oerlinghausen wohnte, spielte eine nicht unerhebliche Rolle dafür, dass das ehemals Städtische Gymnasium Oerlinghausen sich im Jahr 2000 in Niklas-Luhmann-Gymansium umbenannte. Ein weites gesellschaftswissenschaftliches Angebot und Verzicht auf Profilbildung durch einen besonderen Unterrichtsbereich trugen ebenso dazu bei.

Niklas LuhmannDie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Namensgeber erfolgt innerhalb einzelner Unterrichtseinheiten im gleichen Maße wie mit anderen Wissenschaftlern; auf Niklas Luhmann bezogen muss sie über die Schule hinaus erfolgen. Die folgende Kurzcharakteristik geht über eine Orientierung nicht hinaus.Niklas Luhmanns Vater war Eigentümer einer Brauerei, die Mutter stammte aus einer Schweizer Hoteliersfamilie. Luhmann besuchte die Schule in Lüneburg bis 1944, als er als Siebzehnjähriger zur Luftabwehr eingezogen wurde. Nach Kriegsende und Kriegsgefangenschaft begann er 1946 in Freiburg Rechtswissenschaft zu studieren. Bereits nach drei Jahren legte er 1949 das erste Juristische Staatsexamen ab. Nach der Referendarzeit machte er 1953 das zweite Staatsexamen und ging in den öffentlichen Dienst, zunächst an das Oberverwaltungsgericht Lüneburg und danach zum niedersächsischen Kultusministerium.
1960 hatte er die Möglichkeit, sich um ein Stipendium an der Harvard - Universität zu bewerben. 1962, kurz nach seiner Rückkehr aus den USA, erhielt er eine Forschungsstelle an der Verwaltungshochschule in Speyer und begann nun seine theoretische Arbeit. Helmut Schelsky holte Luhmann nach Münster, dort promovierte Luhmann 1966, habilitierte sich und nahm eine Lehrtätigkeit an der Universität Münster auf. Als 1969 die Universität Bielefeld gegründet wurde, war Niklas Luhmann ihr erster Professor und blieb dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1993.
Niklas Luhmann war Jurist und Soziologe. Er gilt als deutscher Begründer der „Systemtheorie“. Durch diese versucht er einen Blick auf die Gesellschaft zu werfen und sie zu erklären, indem er sie in Teilbereiche untergliedert. Sie werden mit den gleichen Kategorien untersucht, obwohl sie alle unterschiedliche Funktionen einnehmen. Die Teilbereiche sind
  • Wirtschaft
  • Recht
  • Politik
  • Wissenschaft
  • Kunst
  • Erziehung
  • Liebe
Jeder dieser Bereiche besitzt eine eigenständige Funktion. Er kommuniziert, handelt nach eigenen Gesetzlichkeiten, die er auch selbstständig entwickelt. Sein Handeln orientiert sich an einer „Leitdifferenz“, in der Politik ist dies beispielsweise Macht - Nicht-Macht. Damit entfallen in den Teilsystemen Bewertungen, für die sie nicht zuständig sind; Politik wird sich nicht zu „hässlich und schön“ äußern, dies ist die Funktion des Systems Kunst. Die Systeme folgen ihrer eigenen Logik.
Die Systemtheorie kann durch diese Art der wissenschaftlichen Arbeit nicht zu letzten Wahrheiten führen, sie bleibt weitgehend der Idee des Relativismus verbunden. Die Systeme werden nicht ineinander verflochten.
In den siebziger Jahren hat diese Vorgehens- und Erklärungsweise der Systemtheorie zu einer Auseinandersetzung zwischen Niklas Luhmann und Jürgen Habermas - einem Kritiker der Systemtheorie -geführt. Der Titel der schriftlich dokumentierten Auseinandersetzung lautet „Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie“. Die Systemtheorie wird auf ihren Erklärungswert für die Gesellschaft hinterfragt und nach „Orientierungsergebnissen“ gefragt. Diese will sie nach eigenem Verständnis nicht geben. Sie erklärt.
Die Systemtheorie kann faszinieren. Luhmanns Ideen resultieren aus der Aufarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse seiner Zeit, wobei die Naturwissenschaften eine große Rolle gespielt haben, hierbei besonders die kybernetische Forschung. Eine Aktualisierung dieser Forschungen wirkt sich auf die Inhalte der Systemtheorie aus. Diese wird an speziellen, universitären Lehrstühlen weiterentwickelt, wobei Luhmanns Werke herangezogen werden und seine nicht fertig gestellten Schriften, vor allem sein „Zettelkasten“ von Ideen. Sie werden wohl in systemtheoretische Zusammenhänge zu bringen und auszuformulieren sein, wenn sein Werk eine angemessene Fortentwicklung erhalten soll.


Reinhard Bienek

 
Skip Calendar

Calendar

Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun
    1 2 3 4 Today Sunday, 5 September 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30    

Events Key

Skip Upcoming Events